Ausflug der 5a zum „Verrat der Bilder“

Zur Magritte-Ausstellung in die Schirn

Es war die sonnige Frühlingswärme, die die Kinder der Klasse 5a am vergangenen Dienstag (14.03.2017) dazu verlockte, nicht wie geplant zwei Stationen mit der U5 bis Dom/Römer zu fahren, sondern den Weg zur Magritte-Ausstellung in die Schirn zu Fuß zu gehen. Eine gute Entscheidung: Mit flottem Schritt, leichtem Picknick-Gepäck und in Plauderlaune kam die Klasse in weniger als 30 Minuten im Foyer der Kunsthalle an. Unter dem Titel „René Magritte – Der Verrat der Bilder“ sind in der Schirn bis zum 5. Juni rund 70 originale Ölgemälde des belgischen Surrealisten zu sehen. Die Eintrittskarte mit der Aufschrift „Das ist kein Ticket“ sorgte für ein spaßiges Streiten darüber, was das solle, was das mit Kunst zu tun habe, und wie das wohl wäre, wenn man den Dingen einfach neue Namen gäbe. Die Sorge, ob man mit einem Ticket, das keines sein will, überhaupt in die Ausstellung gelassen werde, erwies sich als unbegründet. Das Nichtticket wurde als gültig akzeptiert – und galt übrigens den ganzen Dienstag bis 22 Uhr.

In vier Gruppen durften sich die 14 Kinder mit ihren Quizaufgaben frei und in ihrem eigenen Tempo durch die Kunstausstellung bewegen. Auf die Frage nach ihrem Lieblingsbild entschieden sich einige Kinder für Magrittes perfekt gemalten Apfel, über den der Künstler-Philosoph geschrieben hatte „Das ist kein Apfel“; auch die berühmte Pfeife mit der Zeile „Das ist keine Pfeife“ hängt zur Zeit in der Schirn. Die Kinder fanden die Idee des Malers interessant, darauf hinzuweisen, dass jeder noch so perfekt gemalte Gegenstand immer ein gemaltes Bild des Gegenstandes bleibt.

So dachten die Schülerinnen und Schüler der Klasse über wichtige Fragen der Kunst nach: Was bedeutet eigentlich ein „Bild“ für uns heute? Immerhin leben wir in der Stadt Frankfurt inmitten einer Welt der Bilder; an jeder Straßenecke blicken uns fremde Gesichter auf Werbeplakaten an, kombiniert mit knackigen Werbesprüchen, die uns beeinflussen wollen, etwas zu kaufen oder etwas gut finden zu sollen.

Ähnlich verhält es sich mit der Welt von unzähligen Bildern im Internet, die sich auf den iPads in der Schule mit einem Universum an Inhalten auftut und oft sogar Kinder animiert, selbst ihre persönlichen Bilder zu zeigen, sie digital zu verfremden und Fremden ein „Bild“ des eigenen Lebens zu zeigen.

Oder eine andere Frage, die durch Magritte entstand: Warum wollen wir Schnappschüsse wieder löschen, wenn wir feststellen, „Das bin ich nicht, so sehe ich nicht aus“? Dies wiederum führte zu der Frage: Ist ein Bild tatsächlich nur ein Bild, egal ob es auf Leinwand gemalt ist oder aus Daten besteht? Offenbar ist ein Bild einer Person etwas, über das es sich nachzudenken lohnt. Denn wenn wir mit Recht darauf bestehen, dass niemand einen anderen ohne dessen Einverständnis fotografieren darf, dann scheint ja jedes Bild doch mehr als „nur“ ein Bild zu sein.

Die Idee, über Fragen nach dem Wesen eines Bildes immer wieder neu nachzudenken und gemeinsam darüber zu diskutieren, ist ein Anliegen vieler Künstler wie etwa René Magritte. Er wollte mit seinen Texten und Bildern dazu motivieren, selbst nachzudenken über das, was Wirklichkeit sein könnte und was Menschen mit Bildern ausdrücken wollen.

Deshalb war nach dem Ausstellungsbesuch schnell klar: Die Klasse 5a will für diesen Newsletter-Beitrag kein Smartphone-Selfie aufnehmen, aber gerne durch diesen Text dazu ermuntern, sich Gedanken zur Bedeutung und Wirkmächtigkeit von Bildern zu machen. Indes genoss die 5a nach dem Ausstellungsbesuch ein fröhliches Picknick auf den Sonnenbänken am Römerberg. Der Rückweg zur Schule – natürlich wieder als Spaziergang durch die an Bildern und Eindrücken überreiche Innenstadt – ging wieder so zügig, dass sogar noch eine Spielpause mit Eis auf dem Spielplatz im Park drin war – und es gibt auch davon selbstverständlich kein Bild.

 

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