Graffiti-Workshop

Kunstunterricht in der Naxoshalle

Das Wichtigste war, dass das Wetter an dem Novembermittwoch (01.11.2017) mitspielte: Bei Regen wäre der Graffiti-Workshop für die Klasse 8 im wörtlichen Sinne ins Wasser gefallen.

Keine 20 Minuten zu Fuß von der Schule entfernt dehnt sich das Gelände der ehemaligen Firma Naxos-Union aus. Das bis heute erhaltene Herzstück der 1871 von Julius Pfungst gegründeten Fabrik ist die denkmalgeschützte Naxoshalle. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass die Halle nach der mythischen Ägäis-Insel Naxos benannt ist; von dieser Insel kam der wichtigste Rohstoff für die Produkte, die fast 120 Jahre lang in dieser Halle hergestellt wurden: für Schleifpapier, und später für Schleifmaschinen.

Heute ist die Naxoshalle den meisten als Spielstätte des Theaters Willy Praml bekannt. Jugendliche verbinden mit der Halle vor allem Graffiti, denn hier hat die Stadt Frankfurt einen Ort für das legale, von Profis kontrollierte Sprayen eingerichtet. So kann man auf den Emporen etliche Kunstwerke von bekannten Sprayern aus nächster Nähe sehen.

Der Graffiti-Künstler Bo leitete den Workshop, bei dem er besonderen Wert auf den Planungsprozess und das Handwerkszeug legte. Schnell wurde klar: Ohne gut durchgearbeitete Entwürfe kann kein noch so locker wirkendes Graffiti entstehen. Das Material ist teuer, die Anwendung muss geübt werden. Bevor Bo die Techniken beschrieb, die Fachbegriffe erläuterte und die Arbeitsaufträge gab, wies er auf das raumbeherrschende, riesige Graffiti an der Stirnseite des Saales hin. Das Bild erinnert an die ursprünglichen Eigentümer der Halle, in der heute Kreatives entsteht, an die jüdische Unternehmerfamilie Pfungst. Das Bildmotiv: Ein Skelett, Symbol für den Tod, reißt ein Paar auseinander. Formal bilden die drei Gestalten einen Davidstern.

Wie die kunstgeschichtliche Entwicklung von frühen Graffiti-Künstlern wie Keith Haring zu Banksy oder Shahak Shapira verlief, das werden die „Writer“ der Klasse 8 weiter erforschen.

 

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