Hagel, Finsternis und …

Pessachvorbereitungen in der Sekundarstufe I

In den zwei Wochen vor den Frühjahrsferien bereitete sich die gesamte Sek. I auf Pessach vor. Im Wechsel finden bei uns an der Schule Projekttage oder ein großer Lernseder statt. Dieses Jahr beteiligten sich alle Sekundarstufenschülerinnen und -schüler am Lernseder, der wie der Name schon sagt, kein richtiger Seder ist, sondern dazu dient, vieles über den eigentlichen Seder zu lernen.

Was für eine Aufgabe: ein 90minütiger, inhaltlich anspruchsvoller Unterricht mit zehn Klassen und zahlreichen Schülerpräsentationen in der Aula – ohne Langweile und ohne Chaos.

So stellten wir den Lernseder unter das Motto „Die Zehn Plagen“. Jede der zehn Klassen stellte eine Plage dar und die Plage war zugleich auch Team-Name der Klasse. Im Vorfeld überlegte sich jedes Team ein passendes Outfit, denn es hieß: Alle sollen die Pessachgeschichte richtig miterleben. Im Religionsunterricht beschäftigten sich die Jahrgänge 5-9 mit verschiedenen Aspekten von Pessach und Teilen der Haggada und jede Klasse hatte den Auftrag, Teile ihrer Lernergebnisse während des Seders den anderen anschaulich zu veranschaulichen. Am Montag vor den Ferien war es dann soweit und alle 10 Teams saßen an langen Tischen verkleidet in der Aula. Rabbiner Soussan leitete durch den Lernseder mit seinem vollen Programm.

Alle öffneten die Haggadot und man ging zügig die ersten Teile der Haggada mit dem Rabbiner durch. Die Klasse 7b erklärte, sang und performte die vier Fragen von Ma Nischtana. Danach sangen alle gemeinsam Awadim hajinu, bevor die Klasse 7a zum Abschnitt Ma’asse de’Rabbi Elieser ein erklärendes kurzes Theaterstück zeigte. Die Klasse 6a stellte die vier Söhne vor, wobei das Publikum erraten sollte, wer von den Vieren auf der Bühne welchen Sohn darstellte. Dann folgte die Überleitung dazu, dass wir uns am Sederabend gegenseitig die Geschichte vom Auszug aus Ägypten erzählen sollen. Dies übernahmen die drei fünften Klassen. Sie spielten in einem tollen selbstgedrehten Film die ganze Pessachgeschichte nach. Der Film tauchte uns in die Geschichte ein und als es zu der Stelle kam, an der man die Zehn Plagen aufzählte, da hatte der Seder seinen Höhepunkt erreicht. Jedes Team hatte etwas vorbereitet, so dass die anderen die Plage „erleben“ konnten: Als Blut fielen rote Luftballons in die Menge, die Frösche quakten, die Fliegen nervten und vor allem der Hagel, der über alle ausgestreut wurde, ließ diesen Lernseder unvergesslich werden.

Doch nach dem Teil Maggid – der Geschichte von Pessach – folgen noch viele weitere Teile in der Haggada, so dass es schnell weiterzumachen galt. Die 8. Klasse erläuterte uns, warum wir unbedingt drei Dinge an Pessach sagen sollen: Pessach, Mazza und Maror. Wir sangen in bester Stimmung gemeinsam einen Teil vom Hallel. Einige Seiten weiter in der Haggada erklärten uns die Neuntklässler, wie die Dinge auf dem Sederteller uns helfen, den Auszug aus Ägypten nachzuerleben und zu verstehen.

Zum Essen selbst blieb, anders als am „echten“ Seder-Abend, wenig Zeit: So gab es nur Symbolisches zum Naschen. So wurde etwa das scharfe und bittere Maror, das an die harte Arbeit in Ägypten erinnert, durch scharfe Nüsse ersetzt – aber genügend zu trinken gab es.

Es ging weiter in der Haggada und die Klasse 6b erklärte durch ein kleines Theaterstück, wieso wir die Türe während des Seders öffnen und einen Becher für den Propheten Elia bereitstellen. Die Klasse 6c erzählte uns, wieso man sich am Ende des Seders wünscht, nächstes Jahr in Jerusalem zu feiern und die tiefe Bedeutung von Israel und Jerusalem für uns Juden.

Die Stimmung war großartig und alle sangen begeistert noch Echad mi jodea. Leider war die Doppelstunde dann schon vorbei, so dass wir das letzte Lied der Haggada, Chad Gadja, nicht mehr singen konnten.

Es war ein Lernseder voller Aktion, großartigen sowie lehrreichen Beiträgen und mit vollem Einsatz, ein erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt: Alle konnten die Pessachgeschichte an diesem Tag miterleben – und welche Plagen Sekundarstufenklassen sein können, bleibt sicher unvergessen.

 

 

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