Innerjüdische Perspektiven auf familiäre Gewalt und Missbrauch

Lehrkräfte der Lichtigfeld-Schule bilden sich fort

Am 15.11.17 hatten wir das Privileg, einen Vortrag über innerjüdische Perspektiven auf familiäre Gewalt und Missbrauch zu hören. Referentin war Frau Soussan, eine Pädagogin, Judaistin, Religionslehrerin und aktives Mitglied in mehreren Bildungsprojekten des Zentralrates der Juden in Deutschland. Frau Soussan hat dieses sensible Thema sehr interessant und einfühlsam vermittelt. Unter den Schwerpunkten „Wie gehen jüdische Gemeinschaften mit innerfamiliären Gewaltproblemen um? Wie verhalten sich die rabbinischen Autoritäten? Kann die religiöse Perspektive Hilfen anbieten?“ wurden z. B. folgende Aspekte angesprochen: Vergewaltigung wird in der Thora erwähnt und – neben anderen sexuellen Praktiken – als verbotene Handlung klassifiziert. Die vielen Verse der Thora und der Bücher der Propheten über G’ttes Sorge für Witwen und Waisen weiten sich in ihrer Bedeutung auf alle gefährdeten Personen in der Gesellschaft aus. Eine religiöse Gemeinschaft, die die Schreie von Kindern ignoriert und ihre Glaubwürdigkeit anzweifelt, hat schreckliche Defizite. Bei häuslicher Gewalt gilt es zunächst immer, (eigenes) Leben zu retten. Scham ist nachvollziehbar, aber beim Opfer nicht angebracht, schon gar nicht, wenn rettende Handlungen aus Scham unterlassen werden. Auch für Täter kann die Religion einen großen Halt geben. Das jüdische System gibt die Möglichkeit zu reflektieren und zu bereuen (Jom Kippur, Tschuwa…). Die anschließende Diskussion zeigte, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viele neue Aspekte vermittelt bekamen und noch viel über diese interessanten Ausführungen nachgedacht werden wird. Vielen Dank, liebe Frau Soussan, für diesen anregenden Nachmittag!

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