Jüdische Erziehung

Jüdisches Leben kennen und lieben lernen.

Feste, Feier- und Gedenktage an der Lichtigfeld-Schule

Die jüdischen Werte, Bräuche, Feier- und Gedenktage verstehen, verinnerlichen und leben – auch das gehört selbstverständlich zum Alltag einer jüdischen Schule und ist fester Unterrichtsbestandteil.

Vom Einstudieren der Lieder über Bastelarbeiten bis hin zum Schmücken der Schule für die verschiedenen Feiertage: Unsere Schülerinnen und Schüler bereiten sich auf vielfältigste Weise vor und gestalten die Schulfeiern in kreativer Gemeinschaft. Dabei lernen sie den Jahreskreis des jüdischen Kalenders mit den monatlichen Feierlichkeiten in der Theorie kennen und leben alle Ereignisse in der bereichernden Praxis.

Auch für die nichtjüdischen Kinder an unserer Schule sind diese Erfahrungen ein großes Geschenk und vermittelt ihnen, dass Toleranz eine Haltung ist, die man gemeinsam erleben und erlernen kann. Dies ist ein wichtiger Grundsatz der Lichtigfeld-Schule.

An einigen jüdischen Feiertagen bekommen unsere Schülerinnen und Schüler selbstverständlich schulfrei.

Lesen Sie, wie wir die Feierlichkeiten gemeinsam begehen

Der Monat Tischri beginnt mit Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest.

Mit selbstgebastelten und beschriebenen Rosch-Haschana-Karten wünschen sich alle Schülerinnen und Schüler ein gutes Neues Jahr. Vor jeder Klasse steht ein selbstgestalteter Briefkasten, in dem die Neujahrspost gesammelt wird. Bei einer gemeinsamen Feier werden die Briefkästen dann in den Klassenzimmern geleert. Zur symbolischen Bekräftigung und mit der Bitte, dass das nun anbrechende neue Jahr ein gutes und süßes Jahr werden möge, werden Speisen wie zum Beispiel ein in Honig getauchter Apfel und süße Challa gegessen.
Begleitet wird dies von Wünschen für ein gesundes, erfolgreiches und süßes neues Jahr.

Zehn Tage nach Rosch Haschana feiern wir Jom Kippur, den Versöhnungstag. Die zwischen den beiden Feiertagen liegenden zehn Tage sollen genutzt werden, um sich intensiv auf Jom Kippur vorzubereiten. Dabei denkt man über die eigenen Taten im vergangenen Jahr nach, bereut Schlechtes und bemüht sich mit ganzem Herzen um die Aussöhnung mit seinen Mitmenschen. An Jom Kippur selbst bittet man auch G‘tt um Versöhnung. Dieser Tag ist ein Fasttag, an dem man weder isst noch trinkt und jeglichen anderen Genuss unterlässt.

Zur Vorbereitung auf Jom Kippur werden von einigen Klassenstufen weiße Armbänder gebastelt, die ihren Träger stets an seine guten Vorsätze erinnern sollen.

Fünf Tage nach Jom Kippur beginnt das einwöchige Sukkot-Fest (Laubhüttenfest). Hier danken wir G’tt für die Ernte des Jahres und erinnern uns zudem an die Zeit der Wüstenwanderung, als das Volk Israel aus Ägypten auszog und in Notbehausungen lebte. Ein besonderes Merkmal des Sukkot ist das Gebot, während der Festwoche in einer Laubhütte, der sogenannten Sukka, zu wohnen und dort die Mahlzeiten einzunehmen.

Auch in unserer Schule wird alljährlich eine Sukka gebaut. Dazu werden Wände gespannt und ein Laubdach errichtet. Die Sukka wird von unseren Schülerinnen und Schülern geschmückt und in den Pausen genutzt, um dort zu essen. In dieser besonderen Atmosphäre findet zudem in der Sukkot-Woche der Religionsunterricht statt.

Die Eingangsstufe nutzt die Sukka des Gemeindehauses und der Westendsynagoge.


Mit Simchat Tora, dem ausgelassenen Fest (Thorafreudenfest), endet der jährliche Lesezyklus der Thora (5 Bücher Moses) und gleichzeitig beginnt ein neuer Zyklus.

Über das Jahr verteilt, wird an jedem Schabbat ein Abschnitt aus der Thora und somit im Laufe des Jahres die gesamte Thora vorgelesen. An Simchat Tora werden die letzten Sätze aus dem 5. Buch Moses gelesen. Nach einem fröhlichen Umzug mit den Thorarollen in der Synagoge beginnt der Lesezyklus von vorn. An diesem besonderen Tag hört die Gemeinde demnach sowohl das Ende als auch den Anfang des Thoratextes.

Zu diesem Anlass werden in der Schule bunte Fähnchen gebastelt, mit denen die Schülerinnen und Schüler den Umzug in die Synagoge und das Tragen der Thorarollen tanzend begleiten.

Am 9. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Viele Juden wurden in dieser Nacht von den Nazis verhaftet und gefoltert. Die Fenster jüdischer Geschäfte wurden eingeschlagen, es wurde randaliert und geplündert. An diesem 9. November brannten auch die Synagogen von Frankfurt. Jedes Jahr gestalten die Schülerinnen und Schüler ab der 2. Klasse eine Gedenkfeier in der Aula zur Erinnerung an diese schreckliche Nacht. In unterschiedlichen Unterrichtsfächern wird altersentsprechend über die Schrecken und Folgen des 9. Novembers 1938 gesprochen und so dafür Sorge getragen, dass diese Nacht nicht in Vergessenheit gerät.

Im Monat Kislew (November/Dezember) feiern wir acht Tage lang Chanukka, das Fest der „Einweihung” (Lichterfest). Hier gedenken wir der Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem, der zuvor von den Griechen durch Opfergaben an ihre Götter entweiht wurde. Nachdem es jüdischen Freiheitskämpfern, den Makkabäern, im Jahr 164 vor der christlichen Zeitrechnung gelungen war, den Tempelberg zurückzuerobern, reinigten sie den Tempel und weihten ihn feierlich wieder ein.

Laut der jüdischen Gelehrten war für die große Menora (den siebenarmigen Leuchter) im Tempel aber nicht ausreichend reines Öl vorhanden. Die Menora aber war die einzige Lichtquelle im Tempel. Ohne dass sie brannte, wäre der Tempel wieder in Dunkelheit versunken. Da geschah das Chanukka-Wunder und ließ die kleine Menge Öl acht Tage ausreichen, bis neues, geweihtes Öl beschafft werden konnte. Denn G‘tt ließ nicht zu, dass es im Tempel wieder dunkel wurde.

Während des achttägigen Chanukka-Festes wird jeden Tag eine weitere Kerze auf dem Chanukka-Leuchter angezündet, sodass am achten Tag alle Kerzen brennen. Die Kinder erhalten Geschenke und traditionell wird in Öl zubereitetes Gebäck wie Kräppel (Sufganiot) oder Kartoffelpuffer (Lattkes) gegessen, das die Klassen zusammen mit Eltern und Lehrern in der Lehrküche der Schule backen.

Gemeinsam werden zudem vor Unterrichtsbeginn die Chanukka-Kerzen vor den Klassenräumen gezündet und Chanukka-Lieder gesungen.


Tu Bischwat, der 15. Tag im jüdischen Monat Schwat, ist der sogenannte Geburtstag der Bäume, an dem traditionell in Israel viele Bäume gepflanzt werden. Nach einem Gebot der Thora dürfen nur Fruchtbäume abgeerntet werden, die mindestens vier Jahre alt sind. Deshalb ist es entscheidend, das Alter eines jeden Baumes zu kennen. Die jüdischen Gelehrten erklärten den 15. Schwat zum gemeinsamen Geburtstag aller Bäume. An diesem Tag wird demnach jeder Baum ein Jahr älter, ganz gleich, wann er während des Jahres gepflanzt wurde.

Der Jüdische Nationalfond “Keren Kayemeth Le’Israel” (KKL) sammelt seit vielen Jahren weltweit Gelder, um Israel aufzuforsten. Auch in der Schule wird traditionell eine Sammelaktion für den KKL organisiert. Die Eingangsstufe der Schule besucht an diesem Tag den Frankfurter Palmengarten, wo unsere Schülerinnen und Schüler unter Anleitung kleine Bäumchen eintopfen, die sie anschließend mit nach Hause nehmen dürfen.

Tu Bischwat ist heute auch ein ökologischer Feiertag, der die jüdischen Gemeinden dazu motiviert, über Umweltschutz nachzudenken und Naturschutzprojekte zu entwickeln.

Im Fach „Gesellschaftslehre“ werden an der Schule Referate über die Projekte des KKL erarbeitet und aktuelle ökologische Probleme diskutiert. Die Schülerinnen und Schüler dokumentieren ihre Ergebnisse auf Plakaten und stellen diese in der Schule und in der Jüdischen Gemeinde aus.

Purim ist ein fröhlicher Feiertag am 14. Adar des jüdischen Kalenders und ein Tag, an dem sich alle Kinder verkleiden.

Dieses Fest hat seinen Ursprung im biblischen Buch über die persische Königin Esther. Haman, ein hoher Beamte am Hofe des persischen Königs, plante aus Hass alle Juden zu töten. Dazu sollten an einem bestimmten Tag im ganzen persischen Reich, das damals von Ägypten bis Indien reichte, Pogrome gegen die Juden durchgeführt werden.

Um den entscheidenden Tag festzulegen, zog Human Lose (Purim). Mit einem Los bestimmte er den Tag und mit einem weiteren den Monat. Die Lose fielen auf den 14. Adar. Esther, die ihre jüdische Religion am Hofe geheim gehalten hatte, rettete durch ihren Mut alle Juden des Reiches, indem sie die Pläne des Haman durchkreuzte.

Um an die Königin Esther zu erinnern, die ihr Judentum im Verborgenen lebte, verkleidet man sich am Purimfest. Außerdem wird das biblische Estherbuch (Meggilat Esther) vorgelesen. Jedes Mal, wenn der Name des Bösewichts Haman fällt, veranstalten die Zuhörer mit Ratschen oder anderen Krachmachern großen Lärm.

Am Purimtag findet kein Unterricht statt und alle Kinder erscheinen verkleidet in der Schule. Gemeinsam hört man in der Aula die Esther-Geschichte und regelmäßig wiederkehrend finden Purim-Aufführungen statt, die von verschiedenen Klassen oder der Theatergruppe dargeboten werden.
In manchen Jahren findet anschließend an die Esther-Lesung im gesamten Schulgebäude ein großer „Luna-Park“ statt. Jede Klasse bereitet hierfür eine amüsante Aktivität vor. Die Schülerinnen und Schüler wandern von Station zu Station und probieren die verschiedenen Angebote aus.

Pessach wird nach dem jüdischen Kalender vom 15. bis zum 21. Nissan gefeiert. Während dieser Tage gedenken alle Juden des Auszugs der Israeliten aus Ägypten und der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei. Die Pessachwoche beginnt mit dem Sederabend am Vorabend des 15. Nissan, der nach einer festen Ordnung (hebr. Seder) verläuft. An diesem Abend wird die Pessach-Haggada vorgelesen, die Erzählungen, Gebete und Segenssprüche zur Errettung Israels aus Ägypten beinhaltet. Während des Lesens der Haggada werden an bestimmten Stellen symbolisch Speisen vom Sederteller gegessen und in ihrer Bedeutung erklärt. Zur Pessachwoche gehört traditionell das ungesäuerte Brot (Mazza).

Pessach fällt meist in die Osterferien und würde somit eigentlich nicht in der Schule gefeiert werden. Da der Sederabend aber als häusliche Feier einer festen Ordnung folgt, werden im Religions- und Hebräischunterricht der Ablauf und die hebräischen Texte und Segenssprüche geübt. So sind die Schüler in der Lage, den Seder zu Hause zu feiern und mitzugestalten.

PessachAuch die symbolischen Speisen des Sederabends werden erläutert und verkostet.

In der Lehrküche der Schule lernen die älteren Schüler, die wichtigsten Speisen für den Abend selbst zuzubereiten.

Nach den Vorbereitungen im Unterricht wird ein gemeinsamer Lern-Seder in der Schule durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler decken selbstständig die festlichen Tische mit allen traditionellen Speisen auf dem Sederteller und gemeinsam wird das zuvor Eingeübte praktiziert.


Schon bald nach der Gründung des Staates Israel kam der Wunsch auf, einen nationalen Gedenktag im jüdischen Kalender einzurichten, an dem man der Toten des Holocaust gedenkt.

Jom HaSchoaJom HaSchoa (Tag des Holocaustgedenkens) sollte ein jüdischer Gedenktag für alle Opfer und jene sein, die sich mutig gegen die Nazis zur Wehr gesetzt hatten. An diesem Tag wird auch aller nichtjüdischen Helfer gedacht, die unter Einsatz ihres Lebens das Leben vieler Juden retteten.

Als Datum für den nationalen Gedenktag wurde der 14. Nissan vorgeschlagen, der auf den 19. April fällt. An diesem Tag im Jahr 1943 begann der jüdische Aufstand gegen die Nazis im Warschauer Ghetto. Da dieser Tag jedoch mit dem Sederabend des Pessachfestes zusammenfällt, entschied man sich für ein Datum nach Pessach und somit für den 27. Nissan.

Jom HaSchoaAuch die Schülerinnen und Schüler der Lichtigfeld-Schule beteiligen sich an der Gestaltung der Gedenkzeremonie zu Jom HaSchoa. Gemeinsam mit dem Jugendzentrum der Jüdischen Gemeinde Frankfurt gestalten die 8. Klassen das Projekt „Jeder Mensch hat einen Namen“ („Le chol isch jesch schem“). Sie befragen Verwandte und Bekannte, die die Schoah überlebt haben. Diese erzählen von ihrem Leben und Überleben, aber sie berichten auch von Familienmitgliedern, die getötet wurden. Die Biografien werden von den Jugendlichen aufgeschrieben und am Jom HaSchoa im Rahmen der Gedenkzeremonie in der Synagoge vorgetragen. So erhalten einige der vielen ermordeten Juden einen Namen und mit ihrer Geschichte treten sie heraus aus der Anonymität.

Jom HaSchoa

Jom Ha’Atzma’ut (Tag der Unabhängigkeit) ist der Unabhängigkeitstag des Staates Israel. Am 14. Mai 1948 (nach dem jüdischen Kalender am 5. Ijar 5708), als das britische Mandat über Palästina zu Ende ging, traf sich der Nationalrat zu seiner vierten Sitzung in Tel Aviv. Hier proklamierte David Ben Gurion als Oberhaupt der Provisorischen Staatsregierung die Gründung des Staates Israel.

Schon einige Monate zuvor, am 29. November 1947, hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen den Beschluss verabschiedet, der die Errichtung eines jüdischen Staates im Land Israel forderte. Sie rief die Bewohner des Landes auf, zur Durchführung dieses Beschlusses ihrerseits alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Die damalige Anerkennung der staatlichen Existenzberechtigung des jüdischen Volkes in Israel durch die Vereinten Nationen ist unwiderruflich.

An Jom Ha’Atzma’ut, dem „Geburtstag“ des modernen Staates Israel, kleidet sich die ganze Schulgemeinschaft in den Farben Blau – Weiß, den Farben der israelischen Flagge. In der großen Pause werden auf dem Schulhof gemeinsam hebräische Lieder gesungen und israelische Volkstänze getanzt. Die Pause endet an diesem Tag mit dem Singen der Nationalhymne Israels, der HaTikwa.

Die Eingangsstufe feiert zudem gemeinsam mit den jüdischen Kindergärten und der Krabbelstube ein großes Fest. Jede Klasse bereitet einen Teil der Feier vor und erläutert wichtige Symbole des Landes Israel. Dazu werden Volkstänze und Gedichte vorgetragen. Anschließend genießen alle gemeinsam köstliche israelische Falafel mit Humus und Pita.

50 Tage nach Pessach wird im jüdischen Monat Siwan das Fest Schawuot (Wochenfest) gefeiert. Schawuot ist ein biblisches Erntedankfest und legt das Ende der Kornernte fest. Nach biblischer Überlieferung hat zudem Moses sieben Wochen nach dem Auszug aus Ägypten die Zehn Gebote und die Thora auf dem Berg Sinai durch G‘ttes Offenbarung erhalten.

So entstand die Tradition, an Schawuot die ganze Nacht hindurch die Thora zu lesen und zu studieren.

Da dem Volk Israel mit der Thora auch die Speisegebote (Kaschrut) in der Wüste zugeteilt wurden und man das rituelle Schächten von Tieren noch nicht praktizierte, isst man an Schawuot traditionell verschiedene milchige Speisen. In Deutschland geschieht dies oft mit Käsekuchen oder auch Eiscreme, was besonders bei den Jugendlichen beliebt ist.

In der Lichtigfeld-Schule bringen die E1-Kinder am Tag vor Schawuot Blumenkränze und Obstkörbchen als Symbol für die Ernte mit und gestalten eine kleine Darbietung mit Gesang und Tanz, die sie in der großen Pause aufführen.

 

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