Vorbereitung der Studienfahrt nach Polen

Drei Tage intensiver Auseinandersetzung mit europäisch-jüdischer Geschichte

Vorbereitung der Studienfahrt nach Polen

Drei Tage intensiver Auseinandersetzung mit europäisch-jüdischer Geschichte

Mit einer Studienfahrt nach Polen setzt sich die Q2 der gymnasialen Oberstufe des Philanthropin in diesem Frühjahr intensiv mit einem zentralen Kapitel europäisch-jüdischer Geschichte auseinander. Mitte März werden die Schülerinnen und Schüler nach Warschau, Lublin, Łańcut und Krakau reisen.

Der Fahrt ging eine sorgfältig konzipierte Vorbereitung voraus. In den Tutorenstunden beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit jüdischem Leben in Polen vor 1939: mit religiöser Vielfalt, geistigen Strömungen wie dem Chassidismus sowie mit dem Jiddischen als prägender Alltags- und Kultursprache. Im Mittelpunkt standen Fragen von Tradition, religiöser Praxis und kultureller Entwicklung – als Grundlage für das Verständnis der historischen Orte, die nun besucht werden.

Einen besonderen Schwerpunkt bildeten drei ganztägige Blocktage Ende Februar. Sie wurden von den Geschichtslehrkräften und Tutorinnen gemeinsam vorbereitet und begleitet; jeweils zwei Geschichtslehrkräfte verantworteten einen Tag inhaltlich.

Der erste Blocktag stand unter dem Thema „Biografien, Überleben und Neubeginn“. Eingangs reflektierten die Schülerinnen und Schüler auch eigene Familiengeschichten und ordneten diese in größere historische Zusammenhänge ein. Anschließend arbeiteten sie mit Video-Interviews von Schoah-Überlebenden und setzten sich mit individuellen Lebenswegen auseinander – mit Ausgrenzung im nationalsozialistischen Frankfurt, mit Erfahrungen von Verfolgung und mit dem Aufbau eines neuen Lebens nach 1945. Eine Exkursion zum IG-Farben-Haus und zum Wollheim-Memorial vertiefte die inhaltliche Arbeit und machte die Verflechtungen lokaler Industriegeschichte mit nationalsozialistischer Zwangsarbeit konkret nachvollziehbar.

Der zweite und dritte Blocktag fand im Jüdischen Museum Frankfurt statt. In den Seminarräumen erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler zentrale Aspekte der nationalsozialistischen Herrschaft. Dabei ging es sowohl um strukturelle Bedingungen als auch um Beispiele jüdischer Selbstbehauptung und Dokumentation, etwa das Ringelblum-Archiv. Ein weiterer Schwerpunkt war die Auseinandersetzung mit Auschwitz, seiner Funktion im nationalsozialistischen Lagersystem und seiner historischen Einordnung. Abschließend wurde die Situation nach 1945 behandelt: Überlebende als Zeuginnen und Zeugen, der Wiederaufbau jüdischer Gemeinden und Fragen der Erinnerungskultur.

Mit dieser fachlichen Vorbereitung wird sich die Q2 nun in zwei Wochen auf den Weg machen. In Krakau ist zudem ein Treffen mit Schülerinnen und Schülern des Georg-Büchner-Gymnasiums aus Bad Vilbel, welche zeitgleich dort sein werden, vorgesehen, um in einen gemeinsamen Austausch zu treten und unterschiedliche Perspektiven ins Gespräch zu bringen.

Eine Woche nach der Rückkehr wird ein gemeinsamer Kabbalat Schabbat mit dem Treffpunkt für Überlebende der Schoah stattfinden. Er soll Raum geben, Eindrücke zu teilen und über das das Erlebte zu sprechen.

Für die beiden Kurse ist im kommenden Jahr eine Abschlussfahrt nach Israel geplant. Während die Reise nach Polen historische Erfahrungen sichtbar macht, wird in Israel jüdisches Leben in seiner heutigen Vielfalt erfahrbar. So entsteht ein Zusammenhang, der Vergangenheit und Gegenwart nicht trennt, sondern als Teil einer fortdauernden Geschichte begreift.

 

Fotos: IEL