Am Mittwochmittag, den 18. Juni, kamen erstmalig alle DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Schülerinnen und -Schüler des Philanthropin zu einer Gesprächsrunde in vertrauensvoller Atmosphäre zusammen, wo sie die Gelegenheit erhielten, alle ihre Fragen an Vlad und Tymur des diesjährigen Abitur-Jahrganges zu richten. Die Idee zu dieser Gesprächsrunde stammte von der DaZ-Koordinatorin der I. E. Lichtigfeld-Schule. Gemeinsam mit den DaZ-Lehrkräften des Philanthropin organisierte sie die Veranstaltung.
Vor etwa sieben Jahren kamen die beiden frisch gebackenen Alumni, die ihr Abitur in diesem Frühjahr mit großem Erfolg bestanden haben, selbst als Lernende von Deutsch als Zweitsprache an unsere Schule – damals als die beiden ersten Schüler, deren Erstsprache nicht Deutsch, sondern Russisch war. Sehr zugewandt und ermutigend reflektierten Vlad und Tymur, die inzwischen das C1-Sprachniveau im Deutschen erreicht haben, über den Prozess ihres Erwerbs von Deutsch als Zweitsprache mit all seinen Herausforderungen und nicht zu unterschätzenden Chancen und teilten ihre Erfahrungen mit den neugierigen und beeindruckten DaZ-Schülerinnen und -schülern unserer I. E. Lichtigfeld-Schule.
Für diese gingen Vlad und Tymur mutig und selbstbewusst als Beispiele voran und bestärkten sie darin, dass sie den Weg zum Abitur mit der nötigen Willensstärke und Lernbereitschaft sicherlich ebenso erfolgreich beschreiten können. Mit viel Feingefühl und Ehrlichkeit beruhigten Vlad und Tymur die aktuellen DaZ-Kinder, dass sie nicht allein damit seien, dass ihnen manchmal einzelne Wörter sowohl im Deutschen als auch in ihrer Erstsprache einfach nicht mehr einfallen wollen und dass es zunächst schwierig und anstrengend sein könne, Freundschaften in einer völlig fremden Sprache zu schließen. Wie sehr ihre beiden Sprachen – das Russische und das Deutsche – inzwischen zu einem selbstverständlichen Teil ihres Lebens geworden sind, zeigt sich, so verrieten uns Vlad und Tymur, nicht zuletzt daran, dass sie in beiden Sprachen träumen.
Auch waren sich alle darüber einig, dass das Lernen von Deutsch als Zweitsprache hinsichtlich des Lernens der Grammatik, des Ausbaus unseres Wortschatzes, des spontanen Sprechens und richtigen Schreibens eine echte Herausforderung darstellt, die jedoch auch eine riesige Chance für uns ist, unseren neuen Weg im neuen Land – Deutschland – zu meistern und bedeutungsvolle, tolle Freundschaften an unserer Schule und darüber hinaus zu schließen. Zudem tauschten sich die Kinder und Jugendlichen mit Vlad und Tymur darüber aus, wie sehr es uns zunächst Angst machen kann, in bestehenden Klassengemeinschaften – und dabei der neuen Sprache noch nicht oder nicht ganz mächtig – unseren Platz zu finden.
Ganz nach dem Motto „Augen zu und durch“, ermunterten Vlad und Tymur die Kinder und Jugendlichen, beherzt und ohne Angst vor dem Fehlen der Wörter oder etwaigen Fehlern einfach drauflos zu sprechen. Begleitend zu dem Mut dazu, Fehler zu machen – was unbestritten Teil unseres individuellen Lernprozesses ist – legten die beiden Alumni den Kindern und Jugendlichen nahe, so viel Deutsch wie nur möglich in ihren Alltag zu integrieren. Interessante Bücher auf Deutsch zu lesen und tolle deutschsprachige Filme und Serien anzuschauen, an denen man richtig Freude hat, seien neben dem mutigen Drauflossprechen im Deutschen nicht zu unterschätzende Erfolgs-Booster. Auch wenn man als Lernende zeitweilig den Eindruck gewinnen könne, unser Sprachlernprozess stagniere: Man könne sich immer weiter durch das Interagieren in der deutschen Sprache verbessern.
Die Frage nach ihren Zukunftsplänen sowie nach ihren Strategien für das Bewältigen der vielfältigen Herausforderungen als Lerner einer neuen Sprache in einem neuen Land waren nur einige von zahlreichen Fragen, die den knapp 30 DaZ-Schülerinnen und Schülern unter den Nägeln brannten. Die Kinder und Jugendlichen, deren Erstsprachen allesamt entweder das Ukrainische, Russische oder Hebräische waren, erkundigten sich über das Abitur an unserer Schule und tauschten sich offen und auf Augenhöhe über ihre Erfahrungen aus. Den DaZ-Lernenden legten Vlad und Tymur ans Herz: Geht euren persönlichen Weg und vergesst nicht: Das Deutschlernen darf und wird euch auch Spaß machen, ist keineswegs ein nur steiniger Weg und eure Mühen werden sich auszahlen. Die beiden Alumni bestärkten die DaZ-Lernerinnen und -Lerner: Was wir geschafft haben, ist keine Ausnahme, auch ihr könnt das schaffen!
Fotos: IEL





